Vanessa Vollmann, Anette Reiter: München Manhattan
Gleich vorweg: Hier handelt es sich um ein Buch, das von Frauen geschrieben wurde, von Frauen handelt und mit höchster Wahrscheinlichkeit nur von Frauen gelesen wird. Und bevor jetzt jemand das Gesicht verzieht: Man(n) muss es ja nicht lesen. Nun, ich hab's gelesen und zwar ratz-fatz. Der Roman hat mir einerseits das geliefert, was ich durch Aufmachung, Titel und Klappentext erwartet habe: Ein locker erzählte Geschichte dreier Freundinnen, die ihre Schicksale meistern. Die feschen Männer, die im Alltag auf der Seife stehen, fehlen ebenso wenig wie das ensprechende Chick Lit-Ambiente inkl. Prada und Gucchi. Andererseits war ich auch überrascht. Die Geschichte ist erfreulicherweise sehr spannend gestaltet. Zudem kommt das Lesevergnügen durch wechselnde Erzählperspektiven und gedankliche Einschübe der Freundinnen mit viel Tempo daher. [mehr]
Jan Weiler, Hans Traxler: Gibt es einen Fußballgott?
Unerklärliche Dinge werden gerne irgendwelchen Göttern in die Schuhe geschoben. Warum nicht auch, wenn es um Fußball geht? Tausende pilgern zu einem Stadion, der einem Tempel gleicht, der lederne Ball wird als Reliquie verehrt und so mancher Trainer wirft sich zu Boden, um den Rasen zu küssen. Fussball ist eine Religion. Keine Frage, dass es daher auch einen Fußballgott geben muss. Doch Götter sind launisch und nicht immer auf der richtigen Seite, wie man's gerade jetzt bei der WM mitverfolgen kann. Da hat der Kicker Adrian schon mehr Glück in seinem Leben: Adrian ist fußballtechnisch gesehen eine volle Niete: leidliche Kondition, null Spielverständnis und seine Ballbeherrschung ist lächerlich. Aber immer, wenn er auf die Ersatzbank geschickt wird, beginnt er zu träumen... Von einer steilen Fußball-Karriere, von Pokalen und hübschen Mädls, von Geld und einem jubelnden Publikum. Doch damit, dass gerade der Fußballlgott ihm seine innigsten Wünsche erfüllt, hat er nicht gerechnet. [mehr]
Takashi Matsuoka: Die Stunde des Samurai
Aus europäischer Sicht tickt Japan komplett anders - das war schon immer so - besonders als Japan noch keine westlichen Einflüsse kannte und es noch die Samurais gab, die unerbittlichen Soldaten, deren Ziel es ist, im Kampf ehrenvoll ihr Leben auszuhauchen. Aber anders als die rohen Wikinger bei uns, hatten die japanischen Krieger Stil und Etikette. "Die Stunde des Samurai" spielt in einer Zeit, als Japan zum ersten Mal von der Globalisierung gestreift wird: Amerikanische, englische und holländische Schiffe ankern vor den Küsten und so manch schnelldenkende Japaner merkt, dass mit ehrwürdigen Traditionen, uralten Stammesfehden und jahrhundertelang gepflegte Eitelkeiten so langsam kein Staat mehr zu machen ist. So ein Blitzkneisser ist Genji, Großfürst von Akaoka und Anführer des Okumichi-Clans. Genji ist nicht nur mächtig sondern auch ein Visionär, was seinem größten Widersacher, Kawakami, Chef der Geheimpolizei, mehr als nur ein Dorn im Auge ist. Zudem gibt sich Genji auch noch mit den gerade per Schiff angekommenen Ausländern, drei Amerikaner, ab. Mit der hübschen Geisha Heiko, glaubt Kawakami, Genji bald abservieren zu können und mit ihm die drei westlichen Eindringlinge. [mehr]
Matt Ruff: Bad Monkeys
Las Vegas, Strafvollzugsanstalt Clark County, Beklopptentrakt: Die mehrfache Mörderin Jane Charlotte erzählt einem Psychiater ihre Lebensgeschichte. Nicht, dass sie erwartet, dass er sie glauben wird. Noch weniger, dass er sie nach ihren Erklärungen für geistig gesund halten wird. Aber da er nun schon mal da ist und auch bereit ist, ihr zuzuhören, beginnt sie zu erzählen: Wie alles mit 14 Jahren begann, wie ihre verkorkste Jugend verlaufen ist, und wie sie später von der undurchsichtigen Organisation "Bad-Monkeys" (Behörde zur Beseitigung von hoffnungslosen Fällen) rekrutiert wird und bestimmte Aufträge zur Verbesserung der Welt erledigt. Es geht um Verschwörungen, Doppelagenten und Täuschungsmanöver, dass einem schwindelig werden kann und sich laufend fragen muss, ob nicht die Erzählerin oder der Autor einen Knall hat. [mehr]
Carlos Ruiz Zafón: Das Spiel des Engels
Es ist selten, dass ein Autor nach einem Bestseller noch einen hinlegt. Ruiz Zafón ist dies gelungen, vielleicht auch deshalb, weil er auf das erfolgreiche Konzept von "Der Schatten des Windes" zurückgegriffen und es noch mit mehr Düsternis, Komplexität und Mysterien verfeinert hat. Protagonist ist ein junger und verarmter Journalist in Barcelona des beginnenden 20. Jahrhunderts, der bald merkt, dass ihm die Literatur mehr am Herzen liegt als die redaktionelle Arbeit bei einer heruntergekommenen Zeitung. Sein Mentor und Freund Pedro Vidal bestärkt ihn den Weg eines Literaten einzuschlagen und so beginnt David Martín für einen schwindeligen Verlag Schauerromane unter einem Pseudonym zu schreiben. Obwohl sehr talentiert und erfolgreich, erfüllt ihn das Schreiben von 3-Groschen-Romanen unter einem fremden Namen bald nicht mehr. Gleichzeitig geht sein Privatleben und seine Gesundheit den Bach hinunter: Seine grosse Liebe zu der hübschen Cristina bleibt unerwidert und ein Hirntumor wird bald seinem Leben ein Ende bereiten. Da macht ihm der französische Verleger Andreas Corelli ein unwiderstehliches Angebot, das David nicht ausschlagen kann - auch wenn er dafür seine Seele verkaufen muss. [mehr]
Lloyd Jones: Mister Pip
Auf Bougainville, einer kleinen Insel im Pazifischen Ozean, herrscht in den frühen 1990er Jahren Bürgerkrieg. Zwischen Palmenstrand und Dschungel kämpfen die Rebellen mit den Rothaut-Soldaten Papua-Neuguineas um die Autonomie der Provinz. Die Weißen haben die Insel bereits verlassen. Die Geschichte beginnt mit der Blockade, die die Regierung gegen die Insel verhängt. Es ist das 13-jährige Mädchen Matilda, die uns von einem von der Außenwelt abgeschottetes Leben erzählt, in dem Hubschrauberflüge das Vogelgezwitscher durchbrechen, die Generatoren nicht mehr rattern, weil kein Benzin mehr da ist, das sie antreibt, in dem es keine Medikamente für die Malaria-Kranken mehr gibt und die Kinder zu Hause bleiben, weil die Lehrer bereits geflüchtet sind. Matilda beginnt mit der Schilderung des einzigen weißen Mannes auf der Insel. Mr. Watts oder Pop Eye, wie er von den Insulanern genannt wird, ist ein seltsamer Mann: immer mit einem weißen, zerknitterten Leinenanzug bekleidet, zieht er seine schwarze Frau Grace auf einem Karren durchs Dorf. Und doch ist es er, der die Dorfkinder zu unterrichten beginnt und ihnen mehr beibringt als Addition und Rechtschreibung. Zusammen mit Mister Pip gelingt es ihm, die Zeit des Krieges für die Kinder erträglicher zu machen. [mehr]
Anne Donovan: Einmal Buddha und zurück
Hier geht's um eine anfangs typische schottische Familie, den McKennas: Der Vater Jimmy ist ein Handwerker, Liz, die Mutter, arbeitet in einem Büro, die 12-jährige Tochter Anne Marie hüpft noch in einer Schuluniform herum, am Sonntag geht's in die Kirche, im Pub treffen sie sich mit den Freunden, am Bier halten sie sich fest und sind überzeugt, dass der Partick Thistle Football Club fast schon als Religion durchgeht. Doch als eine Tages drei Lamas vor der Haustür der kleinen Familie auftauchen, denkt sich Anne Marie nur noch: Man Dad ist ein totaler Spinner. [mehr]
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