Gerd Schilddorfer, David G. L. Weiss: Narr
Wenn das Autoren-Duo Schilddorfer und Weiss so weiter macht, dann besteht akute Suchtgefahr! Seit Anfang Juli ist ihr zweiter Historien-Thriller mit den sympatischen Helden Paul Wagner und Georg Sina auf dem Markt und wer jetzt noch auf der Suche nach einem aussergewöhnlichen Lese-Erlebnis für den Sommer ist, der soll schauen, dass er schnellstens in die nächste Buchhandlung geht oder klickt. Das erste Roman "Ewig" hat ja schon einiges an intelligenter Spannung hingelegt, bei "Narr" wurden meine Erwartungen überboten. Auch dieses Mal haben sich die Autoren eine historische Größe für die Handlung herausgepickt - Fürst von Metternich (nein, nicht der Riesling-Sekt sondern der vom Wiener Kongress). Gekonnt wird Geschichtsschreibung und Fiktion mit der Gegenwart verstrickt, so dass man aus dem Staunen nicht mehr herauskommt. Es geht um vier geheimnisvolle Dokumente aus den Zeiten Metternichs, auf deren Spuren sich der Journalist Wagner und der Historiker Sina heften. Mit von der Partie sind auch wieder der mittlerweile pensionierte Kommissar Berner, Major Valerie Goldmann und der Ex-Ringer Eddy Bogner, dem gegen Ende eine besondere Rolle zugeteilt wird. Doch ganz am Anfang der Geschichte und wie es auch bei einem ordendlichen Krimi-Thriller sein soll, steht ein grauslicher Mord: Im fahlen Mondlicht findet Professor Sina seinen ehemaligen Mentor - aufgehängt im eigenen Obstgarten mit herausgeschnittener Zunge... [mehr]
Takashi Matsuoka: Die Stunde des Samurai
Aus europäischer Sicht tickt Japan komplett anders - das war schon immer so - besonders als Japan noch keine westlichen Einflüsse kannte und es noch die Samurais gab, die unerbittlichen Soldaten, deren Ziel es ist, im Kampf ehrenvoll ihr Leben auszuhauchen. Aber anders als die rohen Wikinger bei uns, hatten die japanischen Krieger Stil und Etikette. "Die Stunde des Samurai" spielt in einer Zeit, als Japan zum ersten Mal von der Globalisierung gestreift wird: Amerikanische, englische und holländische Schiffe ankern vor den Küsten und so manch schnelldenkende Japaner merkt, dass mit ehrwürdigen Traditionen, uralten Stammesfehden und jahrhundertelang gepflegte Eitelkeiten so langsam kein Staat mehr zu machen ist. So ein Blitzkneisser ist Genji, Großfürst von Akaoka und Anführer des Okumichi-Clans. Genji ist nicht nur mächtig sondern auch ein Visionär, was seinem größten Widersacher, Kawakami, Chef der Geheimpolizei, mehr als nur ein Dorn im Auge ist. Zudem gibt sich Genji auch noch mit den gerade per Schiff angekommenen Ausländern, drei Amerikaner, ab. Mit der hübschen Geisha Heiko, glaubt Kawakami, Genji bald abservieren zu können und mit ihm die drei westlichen Eindringlinge. [mehr]
Carlos Ruiz Zafón: Das Spiel des Engels
Es ist selten, dass ein Autor nach einem Bestseller noch einen hinlegt. Ruiz Zafón ist dies gelungen, vielleicht auch deshalb, weil er auf das erfolgreiche Konzept von "Der Schatten des Windes" zurückgegriffen und es noch mit mehr Düsternis, Komplexität und Mysterien verfeinert hat. Protagonist ist ein junger und verarmter Journalist in Barcelona des beginnenden 20. Jahrhunderts, der bald merkt, dass ihm die Literatur mehr am Herzen liegt als die redaktionelle Arbeit bei einer heruntergekommenen Zeitung. Sein Mentor und Freund Pedro Vidal bestärkt ihn den Weg eines Literaten einzuschlagen und so beginnt David Martín für einen schwindeligen Verlag Schauerromane unter einem Pseudonym zu schreiben. Obwohl sehr talentiert und erfolgreich, erfüllt ihn das Schreiben von 3-Groschen-Romanen unter einem fremden Namen bald nicht mehr. Gleichzeitig geht sein Privatleben und seine Gesundheit den Bach hinunter: Seine grosse Liebe zu der hübschen Cristina bleibt unerwidert und ein Hirntumor wird bald seinem Leben ein Ende bereiten. Da macht ihm der französische Verleger Andreas Corelli ein unwiderstehliches Angebot, das David nicht ausschlagen kann - auch wenn er dafür seine Seele verkaufen muss. [mehr]
Jeffery Deaver: Der gehetzte Uhrmacher
Der "Uhrmacher" ist ein Mörder, der mit Präzision eines Uhrwerks arbeitet, um perfekt zu morden, und bei jedem seiner Opfer seine Visitenkarte hinterlässt: eine Standuhr, die leise und unerbittlich vor sich hin tickt. Und noch etwas zeichnet den "Uhrmacher" aus: er mordet langsam und qualvoll mit einer goldenen Taschenuhr in der Hand und hinterlässt so gut wie keine Spuren. Ideale Voraussetzungen also für das ermittelnde Paar Lincoln Rhyme und Amelia Sachs. [mehr]
Lisbeth Salander springt dem Tod von der Schippe: Angeschossen und halb erschlagen buddelt sie sich mit Hilfe eines Etuis (!) aus einem Grab, doch Mikael kann sie in letzter Sekunde retten und Lisbeth wird mit einer Kugel im Kopf ins Krankenhaus eingeliefert. Zeitgleich mit Alexander Zalatschenko, der sich jedoch in einem wesentlich besseren Zustand befindet. Da Lisbeth unter Mordverdacht steht, gleicht das Krankenhaus eher einem Gefägnis, denn jeliche Kommunikation - egal ob persönlich oder technisch - ist für sie verboten. Für Mikael, der weiter an den Mordfällen arbeitet, ist dies natürlich hinderlich, wenn ihm seine wichtigste Informationsquelle nicht zugänglich ist. Doch Journalisten sind einfallsreich und zusammen mit Lisbeth kommt er auch den letzten Rätsel auf die Spur. [mehr]
Unter weiter geht's mit den nächsten 750 Seiten: Wen der erste Teil der Millenium-Trilogie noch nicht so recht überzeugt hat, sollte dennoch weiterlesen, denn "Verdammnis" topt den ersten Teil um Längen. Der Wirtschaftsjournalist Blomkvist und sein Mitarbeiter Dag Svensson sind einer heissen Story über Mädchenhandel und Prostitution in Schweden auf der Spur. Die Hackerin Lisbeth - ein bisschen verschnupft, weil Mikael die Beziehung zu Erika weiterführt - ist natürlich darüber voll im Bilde. Obwohl sie jeden Kontakt zu Mikael verweigert, kann sie es nicht lassen, ab und zu in seinem iBook nachzusehen, an was der Journalist gerade arbeitet. Als sie in Mikaels Rechercheunterlagen Namen entdeckt, die ihr aus der Vergangenheit wohl bekannt sind, beginnt sie auf eigene Faust nachzuforschen. [mehr]
Wien: Ein aufgesetzter Schuss in die Schläfe eines Fremdenführers in einer Kirche. Die noch brennenden Kerzen bilden zwei Buchstaben - ein L und ein I. Lissabon: Eine Touristin wird mit einem Kampfstoff vergiftet, ihr Kopf - auf dem AGNES eingeritzt ist - wird in ein Bachbett gelegt, so dass das Gift langsam dem Tejo freigegeben und ein ökologischer Supergau verursacht wird. Wien: eine Studentin wird von der Kuppel der Karlskirche gestossen, das Gesicht schwarz bemalt, der Rücken mit Flügeln versehen. Mysteriöse Morde als Auftakt für eine perfekt inszenierte Unterhaltung. [mehr]
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